Guide-Line
August 19th, 2007
Eine Guide-Line ist eine Begleitstimme in einem Musikstück (gespielt von einem Melodie-Instrument); sie ist eine Art Begleitmelodie, das heißt, dass sie also nicht vordergründig den Charakter einer Melodie hat, sondern, da sie ja eigentlich zur Begleitung gehört, sich sehr den Begleitharmonien, also den gerade gespielten Akkorden, anpasst. Dies kommt zustande, indem für eine Guide-Line fast ausschließlich Töne ausgewählt werden, aus denen die jeweils gerade gespielten Akkorde bestehen. Die Guide-Line zu einem großen F-Durseptakkord hätte beispielsweise den Ton f, a, c oder e. Aus klanglichen Gründen wird versucht, für den Akkord charakteristische Töne zu benutzen; bei einem Septakkord sind dies die Septime und die Terz, für den F-Akkord wären dies also e oder a.
Die für eine Guide-Line typische melodische Unauffälligkeit entsteht dadurch, dass sie aus langen Tondauern besteht und fast immer in Halbton- oder Ganztonschritten voranschreitet. Das heißt, dass die zu den jeweiligen Akkorden gespielten Guide-Line-Töne so nah wie möglich beieinander liegen oder sogar dieselben sein sollten (Gesetz des nächsten Weges).
Gilt ein Akkord für mehrere Takte hintereinander, so kann die Guide-Line aus ästhetischen Gründen einen Sprung machen – zum Beispiel zu einem anderen charakteristischen Ton des Akkords.
Sollten beim Voranschreiten der Guide-Line mehrere Möglichkeiten offen stehen (meistens zwei Möglichkeiten, nämlich aufwärts oder abwärts zu spielen), bietet sich an, das Prinzip der Gegenbewegung zu befolgen. Das heißt: habe ich die Möglichkeit, die Guide-Line aufwärts oder abwärts zu führen, entscheide ich mich für die der Bewegung der Bassstimme (oder der meisten vorhandenen Stimmen) entgegengesetzte Richtung. (Die Guide-Line kann auch innerhalb eines Taktes einen Sprung machen, wenn dadurch ihr weiterer Verlauf gemäß den oben genannten Kriterien sinnvoller gestaltet werden kann.)
Da eine Guide-Line zur Bereicherung des Gesamtklangs eines musikalischen Arrangements gedacht ist, sollte ein Guide-Line-Ton eigentlich nicht gleich dem Melodie- oder dem Basston sein.
(Sollte das Arrangement bei Einhaltung der Regeln wider Erwarten nicht gut klingen, dann entscheide dich an entsprechender Stelle lieber doch anders.)
Beitrag von Ole Steinhoff